Dienstag, 15. November 2016

Novemberlied

 ©Axel Rheineck


Schritte patschen durch nasses Laub
und meiden größere Pfützen,
die Ohren sind für ein liebes Wort taub,
weil wärmende Mützen sie schützen.

Mit Mühe gebräunte Narzisstenhaut
wird unter Garderoben verborgen,
Bräune verblasst und Schönheit ergraut,
um Gesundsein macht man sich Sorgen.

Husten, Halsschleim und Nasengold! -
Du machst für ein Schnupftuch Reklame;
bist der Kälte, dem Frost und der Nässe hold,
ja, „November“, das ist dein Name.

Elfter Monat, was bist du uns teuer,
mit Heißgetränk stoßen wir an,
bezahlen für Öl, Gas, Strom und für Feuer,
damit man dich aushalten kann.

Doch endlich kommt jene Wärme von innen,
und sie taut den Geist und die Herzen auf.
Und wir folgen getragen von munteren Sinnen
dem nasskalten Tageslauf.



  

Novembergewinn

 ©Axel Rheineck


November bist ein grieser Gram,
wie soll man dich nur lieben!
Du bist des Jahres Melodram;
wer auf die Welt zum Schaffen kam,
bleibt jetzt am liebsten liegen.

Das Bunte, das uns reich gemacht,
glänzt nasskalt braun und grau,
Gezwitscher, mit dem wir aufgewacht,
wärmende Sonne, die uns gelacht,
weicht lustloser Nabelbeschau.

Ein Denken über die Endlichkeit,
über Leben, Dasein und Sinn,
macht sich allmählich in uns breit,
öffnet die Herzen und macht sie weit, –
und November wird zum Gewinn.

Herbstlicht

 ©Axel Rheineck


 Nun bist du da, geliebter Herbst, -

mal Nebel mal weite Sicht,

in der sich Landschaft goldbraun färbt

und taucht in dein warmes Licht.



Du bist des Jahres Senior,

und dein Gesicht kann strahlen,

wenn du mit trotzigem Humor

verwöhnst mit Bacchanalen.



Du bist auch großes Freudenfest

mit Erntedank und Wein,

danach gibst du dem Jahr den Rest, -

und schließlich schläft es ein.



Ach Herbst, du bist ein guter Geist,

lässt alles warm erstrahlen,

weil du von Glück und Trauer weißt,

dem Ende froh entgegen reist

zu neuen Glücksportalen.
 

Herbst

 ©Axel Rheineck


Die Bäume ahnen schon ihr Blättersterben,
und folgen artig dem Naturgesetz.
Sie wissen, dass auch ihre Erben
geboren sind zu leben und zu sterben, -
in unentrinnbar festem Schicksalsnetz.

Noch schickt der Himmel Sonnengrüße,
die machen grüne Apfelbacken rot
und impfen Trauben mit begehrter Süße,
dass sie der frohe Mensch im Wein genieße,
wenn in der Erde lauert kalt der Tod.

Am Himmel ziehen Vogelscharen,
auf ihren Flügeln ruht der Plan vom Glück.
Ihr Lebenssinn in allen Jahren 
ist, Daseinsfreude zu bewahren,
und mit ihr kommen sie zu uns zurück.

Die Winterkleider in den Schränken
sie freuen sich auf frische Luft,
und unser Sehnen, unser Denken
werden wir fromm nach innen lenken
mit einem Hauch von Glühweinduft.